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Blink 182 veröffentlichen neues Album
Neighborhoods erscheint am 23.09

Hi we‘re Bliink-182. To put it simply, we‘re back. We mean, really back.

Das war am 8. Februar 2009. Nach einer Auszeit von fünf Jahren verkündeten Mark, Tom und Travis ihre Comeback. Jetzt, zweieinhalb Jahre später, sind die drei angekommen. Zuerst gab es im Sommer 2009 eine Tour durch die USA, danach Auftritte bei Festivals in Europa. Die Arenen waren stets ausverkauft - und das obwohl die Band seit 2003 kein neues Material mehr veröffentlicht hatte. Die alten Songs hatten also noch genug Potential um die Massen zu begeistern. Wieso auch nicht? 

 Gerade das 1999 erschienene Enema of the state zählt nicht zu unrecht zu den einflussreichsten Alben der 90er. In Zeiten der Boygroups waren Blink-182 eine erfrischende Alternative und das Album eine willkommene Abwechslung im Pop Einheitsbrei. Die drei Jungs aus Kalifornien trafen dabei den Geist einer ganzen Generation. 

Endlich war da eine Band die einfach Spaß machte. Egal ob mit flachen Witzen, oder Videos in denen sie weniger an hatten, als die leicht bekleideten Damen in den HipHop Videos von 50 Cent. Mit Enema of the state war ihnen ein großer Wurf gelungen. Das Album wird noch heute von vielen Mitzwanzigern als eines der besten jener Zeit bezeichnet. Jede weitere Neuerscheinung wurde mit enema of the state verglichen. 

So auch das 2001 veröffentlichte Take off your pants and jacket. Die Band setzte auch hier auf eingängige Melodien und - nennen wir es - lebensnahe Lyrics. Mit dem Song „Stay together for the Kids“ kamen auch erstmals dunklere Seiten zum Vorschein. Genau diese griff Frontsänger Tom Delonge in seinem Soloprojekt Boxcar Racer auf. Ein düsterer Longplayer, der von einer anderen Härte war, als die damaligen von Pop angehauchten Blink Songs. 

 Der Erfolg war dennoch ungebrochen. Die Band wollte sich aber nicht auf ihrem Erfolg ausruhen, sondern sich auch musikalisch weiterentwickeln. Beleg hierfür: Das 2003 erschienene Album. Nicht weniger als 1 Jahr zog sich die Band dafür ins Studio zurück und experimentierte. Heraus kam etwas, dass die Fangemeinde durchaus heute noch in zwei Lager spalten sollte. Mit dem Selftitled Album schlugen Blink neue Wege ein. Es mischten sich elektronische Elemente unter die Songs und Drummer Travis Barker hob das Album durch seine Beats in neue Sphären. 

Plötzlich wurde Blink von den Kritikern gelobt - und von manchen Fans verachtet. 
 

 Wo waren die simplen Songs, die man noch von Enema of the state gewohnt war? Viele zeigten sich enttäuscht vom Album. Dabei kann man nicht darüber hinwegsehen, dass die Band an dieser Platte gewachsen ist. Der Song „I Miss you“ entwickelte sich schnell zum Kassenhauer. Schließlich landete er auch in Deutschland in den Charts. Sowohl musikalisch, als auch lyrisch machten die drei einen großen Schritt. Vorbei schien die Zeit von Witzen über Geschlechtsverkehr oder Sex mit Tieren. 

Dann die Überraschung. Im Jahr 2005 gaben Blink ihre Trennung bekannt. Eine Auszeit auf unbestimmte Dauer. Der Erfolg hatte die Band gespalten. So gingen die drei ab sofort getrennte Wege. Bassist Mark Hoppus und Drummer Travis Barker legten mit Plus44 eine solide Punkrock Scheibe vor. Erfolg: Eher mäßig. Gitarrist und Sänger Tom Delonge schien gar dem Größenwahn verfallen zu sein. Nichts geringeres als die beste Band der Welt lobte er aus: Angels and Airwaves war geboren. Mittlerweile veröffentliche die Band 3 Alben sowie einen eigenen Film. 

Ein ambitioniertes Projekt, das auch vermarktungstechnisch neue Wege geht: Die Band hat keine Plattenfirma, vermarktet sich also selbst. Das letzte Album der Band „LOVE“ war als kostenloser Download im Internet verfügbar. 

2008 dann der tragische Zwischenfall. Bei einem Flugzeugabsturz kam DJ AM, ein Freund der Band ums Leben. Travis Barker überlebte den Unfall schwer verletzt. Im Krankenhaus trafen sich die drei zum ersten mal wieder. 

Right now it’s just good for the three of us to see one another, reconnect, and let the past be the past. the events of the past two months supersede everything that happened before. life is too short. 

Mark Hoppus

Folge war schließlich der gemeinsame Auftritt bei der Grammy Verleihung im Februar 2008: „Hi we‘re Bliink-182. To put it simply, we‘re back. We mean, really back.“ 

Und mit „really back“ meint die Band natürlich ein neues Studioalbum, das am 23.09 erscheint. Neighborhoods wird es heißen und in der Deluxe Version mit 14 Songs aufwarten. 

Und eines vorweg: Blink knöpfen nahtlos dort an, wo sie 2003 aufgehört haben

Die Einflüsse der einzelnen Sideprojects kann jedoch niemand abstreiten. Manchmal klingen Blink wie eine Mischung aus Angels and Airwaves, Plus44 und Travis Barker. Kritiker untersuchen jedes Lied und meckern: „Das ist jetzt wie Angels and Airwaves.“
Ich sage: Das ist Blink. Von allem etwas und das ist auch gut so. 

 

Doch eins nach dem anderen. Als Opener hat die Band den Song „Ghost on the Dancefloor“ ausgewählt. Der beginnt mit Drums und Synthesizer Klängen ehe Tom Delonge mit einem Riff einsteigt, der Spaß macht und sofort ins Ohr geht, ebenso wie der Text:  

It’s like the universe has left me

Without a place to go

Without a hint of light

To watch the movement glow

Vorbei die Zeit von Titeln wie First Date oder Textzeilen a la: „I want to fuck a dog in the ass.“

Insgesamt ein guter Opener der auch nach dem Hören des Albums im Ohr bleibt. 

Mit Natives folgt dann ein Fasttempo Lied. Kurzum: der Song rockt. Die Strophen wechseln sich ab zwischen härteren Gitarren Riffs und Hoppus der im Refrain sing:  

So let me go, go

Just let me go, go

I’d rather go it alone

Als drittes liegt folgt die bereits veröffentlichte Single: Up all night, die nun im Kontext des Albums wesentlich mehr Sinn macht. Die für Blink schon harten Riffs zu Beginn bilden hier einen schönen Übergang. Die von Hoppus und DeLonge abwechselnd gesungenen Zeilen verbunden mit der Bridge fügen sich wunderbar ein, der Refrain rundet das ganze perfekt ab. Eine gute Single. 

Mit After Midnight folgt so etwas wie die Fortsetzung von I miss you. 

Snake Charmer besitzt das wohl aufwendigste Intro und klingt dabei wie ein klassischer The Cure Song. Man wartet im Prinzip nur noch auf die Stimme von R. Smith. Dann aber setzen Riffs ein, die an Stockholm Syndrom vom letzten Album erinnern. Bevor das ganze abklingt und Delonge über Synthesizer Leadklänge singt:  

I felt a stutter and a waiver, cutting like a razor

Like fire through the snow, then straight down to the bone

She creeps up like a spider, and wants you deep inside her

She turns you into stone, a twisted little show

Was dann folgt ist das von Blink gewohnte. Ein „catchy“ Refrain. 

Danach: Ein Instrumental Interlude, hinführend zum ultra schnellen Heart‘s all gone, komplett gesungen von Hoppus. 

Das Lied ist schnell, sehr schnell und erinnert an GO vom 2003 erschienen Album.

Dann kommt eines der absoluten Highlights: Wishing Well. 

Ein gute Laune Song. Der Riff zu Beginn ist einfach nur genial. Die Strophen passen sich perfekt ein und das „la da da da da“ in der Bridge macht irgendwie auch Sinn. 

Der Refrain ist schlichtweg ein Ohrwurm, wie eigentlich das ganze Lied. Ein Ausbruch, aus den bis dato düstereren Klängen von Neighborhoods. 

Mit Kaleidoscope folgt ein weiteres Klasse Intro. Der Song ist danach voll mit einem Soundteppich aus Gitarre, Piano und Drums. Der eingängige Riff vom Beginn dient als Grundlage für das gesamte Stück. 

It’s the first time that I worried

Of a bad dream, of a journey

On the highway, through the valley

It’s a long road through the night

Mit This is Home knöpfen die drei wieder an das locker, leichte Wishing Well an. Ein „einfacher“ Song, der sofort ins Ohr geht und endlich auch mal wieder ein „fuck“ im Text enthält: 

We work and slave the day away

Well raised in perfect families

We fuck and fight like vagabonds

We dance like fucking animals

 Ein typischer Blink Song, man fühlt sich zu Hause: this is home. 

 M.H. 4.18.2011

Ein seltsamer Titel. Heißt nichts geringeres als Mark Hoppus, eingereicht am 18.04.2011. DeLonge plädierte dafür den Titel zu behalten, weil er wie ein „Virus“ klingt. Ganz ohne Spaß geht‘s dann eben doch nicht. 

Der Song stellt einen der schwächeren dar, wartet jedoch mit einer großartigen Zeile auf: 

Slow down and stop living in the shadow of  a helicopter

 Das ganze wird dann abgerundet durch „Love is dangerous“. 

Einem erneut dunklerem Song mit einer klaren Botschaft. 
Die Strophen werden von Hoppus und Delonge gemeinsam gesungen, eher DeLonge im Refrain alleine ran darf. Nicht der beste Song, aber ein schöner Abschluss. 

 Fazit: Eines ist klar. Auf Neighborhoods findet man keine radiotaugilchen Hits. Kein All the Small things, keine Rock Show und kein I miss you. Am ehesten kommt da noch Wishing well in Frage. Das Album ist, bis auf ein paar Ausnahmen, düster gehalten. Viele werden das Album „nicht schlecht“ finden, aber auch nicht besonders gut. Für mich ist es ein guter Zwischenpunkt einer kontinuierlichen Entwicklung der Band. 

Es ist ein Fortschritt. Jedoch einer, den nicht jeder Fan bereit sein wird mitzugehen.